· 

GBL

   Am Beginn unseres Treibens in den Bergen gab's nur den Ratengrat und brandneu den Kugelstein. Hier machten wir unsere allerersten alpinen Gehversuche. Die Routen am Kugelstein wurden von den Locals Franz, Ferdl, Norbert oder Ernst u.a. eingerichtet und standen eine Zeitlang durchaus hoch im Kurs. Valentin etwa überredete Gerti in der Weihnachtszeit zum Riesenüberhang (Zit. Ferdl: "schon gut 3+"), zu dem sie mit dem Rad fuhren und ihn bei leichtem Schneetreiben absolvierten.

Einerseits störte uns dann zunehmend der Lärm an dieser Wand, andererseits zog es mich seit dem tödlichen Unfall meines jüngeren Bruders im Jahr 1980

durch Absturz vom Kugelstein, 5 Jahre nach dem Unglück des Älteren, nicht mehr so sehr dort hin.

   Ob per Autostopp oder mit dem Moped, ganz selten mit einem Auto, spätestens am Samstagnachmittag zogen wir los. Außer - fürs GBL eher selten - mein Vater schrieb mich krank. Dann ging es schon am Freitag los. :))

   Das Kürzel GBL für's Grazer Bergland war noch nicht erfunden, wir wandelten ehrfürchtig auf den Spuren berühmter Vorgänger wie etwa des legendären Raimund Schinko, Erstbegeher des Südpfeilers am Ratengrat. Immerhin gab es schon einen Kletter-führer von Franz Berghold.

   Ich erinnere mich noch genau an die Suche nach der ersten Route in der Roten Wand, dem "Weg der schönen Männer" von Franz Horich im Jahr 79. (Mit dem berühmten Spiegel in der Wand, um sich zu vergewissern.) Es gab noch keinen ausgewiesenen Parkplatz, keinen richtigen Zustieg, aber dank der blumigen Beschreibung von Franz fanden wir den Einstieg.  Wir waren schnell begeistert vom neuen Klettergebiet, und immer wieder trafen wir den emsigen Erschließer, total verdreckt nach dem Putzen, dem Ausgraben einer neuen Route,  stets mit leuchtenden Augen, wenn er von den "Riesenhenkeln", den berühmten "Schwertern" (=Selbstbauhaken) oder den schönen Blumen berichtete.

   Heute gibt es im GBL viele Möglichkeiten, in allen Schwierigkeitsgraden zu klettern. Dafür, dass es immer wieder was Neues gibt, sorgen unter anderen Rü und Anita. Die beiden wissen im Winter nichts Besseres zu tun, als eine alte Bekannte, die Mufflkante,  zu verlängern, intelligent zu sanieren und ihr so neues Leben einzuhauchen. Danke euch beiden, gut gemacht. So wurde aus der bislang eher kurzen "Ausweichtour" eine vollwertige längere Kletterei.

Wir sind sehr glücklich, dass es dieses wunderschöne Gebiet so nahe an unserem Wohnort gibt, dankbar, dass es unermüdliche Nachfolger von Franz gibt, die den Geist haben, ihre Freizeit in viel Arbeit für andere zu stecken und so für immer wieder mal neue Überraschungen sorgen. Und oft nach vielwöchigen Bergreisen, langen Radtouren zieht es uns wieder hinaus ins GBL mit den ersten Küchenschellen, den Eidechsen, den frischen Schlüsselblumen, und wir wissen es stets wieder besonders zu schätzen, wie schön es auch daheim ist. 

   März heißt auch: Gerti hat Geburtstag. Diesmal wandern wir in der leider dezimierten Montagsgruppe zum Frohnleitner Band auf die Rote Wand. Von Tyrnau aus sind's auch gut 900Hm sowie ein wenig zu kraxeln, auf dass das Geburtstagsessen beim Thomahan umso besser mundet. 


Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Tine (Dienstag, 10 März 2026 08:52)

    Interessante Geschichte.
    Immer wieder eine Freude zu schauen und zu lesen.

  • #2

    Tine (Dienstag, 10 März 2026 08:55)

    Tolles Unternehmen anlässlich des Geburtstages von Gerti.
    Knackig, wie es so schön heißt.

  • #3

    NixTuer (Mittwoch, 11 März 2026 12:16)

    alles liebe und gute zum geburtstag nachträglich, und viele schöne bergtage!

    sehr nett geschrieben, auch wenn ich die anfänge des GBL nicht kenne kann ich mich dank solcher geschichten gut hineinträumen.

    Eure blumen-fotos sind sowieso immer schön, und die eine oder andere habe ich gut erkannt weil ichs auch erst kürzlich geknipst habe ;-)

    fein wenn die touren zwischen dm sanieren und wieder zuwachsen genossen werden!

    danke
    lg

mail - [email protected]