Ganz schlechtes Wetter mit (zu) viel Neuschnee ist angesagt. So entschließen wir uns, eine Lücke zwischen einigen Verpflichtungen zu nützen und in den Süden abzurauschen.
Erst am Vortag buchen wir ein Quartier im Val Maira - die Prognose für das Valpelline und Umgebung ist uns doch zu ungewiss.
Nach 4 berauschenden, nicht nur kleinen Touren reisen wir noch ins Aostatal zum Klettern...
Im Val Maira ticken die Uhren wieder einmal anders: Alles ist ruhiger, das Wetter viel angenehmer, es gibt mehr Schnee als sonstwo, das Geschäft in San Damiano sperrt um 4 auf - oder doch nicht, oder irgendwann später. Der Ladeninhaber lässt sich auch mit der Bedienung Zeit, klebt jedes Päckchen feinsäuberlich zu, fordert meine Tasche, räumt sie ein, plauscht nett...
Der Monte Cassorso von Preit aus ist unser erstes tolles Ziel. Eine (nicht zu) steile, enge Rinne leitet 500 Meter in eine Scharte, von der es zuletzt kurz zu Fuß zum Gipfel geht. Traumwetter - herrliche Aussicht - mutterseelenallein. Und für die Abfahrt firnt die Rinne gut auf!
Den Nachmittag können wir mit Kaffee, Kuchen und Jause im Freien auf der Terrasse verbringen.
Aus Vorsicht vor dem angesagten, überaus starken Wind liegt das nächste Ziel tiefer: Der Soleglio Bue gehört uns ebenfalls allein, erst bei der Abfahrt kommen uns Leute entgegen.
Gerti war schon mit Jim, Christl und Freundinnen vor Jahren auf dem nächsten Höhepunkt und will mir diesen auch gönnen: Den Vanclava. Wir stapfen von Chialvetta los, passieren die verlassenen Dörfer Pratorotondo und Viviere und zweigen rechtzeitig ab, ehe uns die Massen einholen. Wir gehen in einer Runde herrlich einsam zum Passo dell' Escalon, zuletzt ein wenig spannend wegen der Lawinengefahr, und freuen uns, dass sich der Weiterweg ab hier gut auflöst.
Wieder stehen wir bald darauf allein am Gipfel, die letzten 80 Hm sind hart zu spuren, und bei der Abfahrt grüßen die Massen. In San Damiano stehe ich heute vor verschlossenen Bäckereitüren, bis mich wer aufmerksam macht: Da drüben gibt es ja eine zweite! Nicht schlecht für so einen kleinen Ort. Und die hat heute offen. Ganz freundlich werde ich bedient, man merkt, scheint's, die Freude, dass überhaupt wer kommt.
Schon fahren wir am letzten Tag hier ganz ins Tal nach hinten, um von Saretto aus zum Monte Soubeyran zu gehen. Noch ist keine Menschenseele hier um knapp nach 7, der Weg ist eindeutig, die Sonne strahlt - wie auch wir 3,5 Stunden später auf dem Gipfel mit einer Traumaussicht auf alle Berge des Mairatales und noch mehr. Bei der besten Abfahrt dieser Tage - schon am Gipfelhang gibt's Firn - kommen uns erwartungsgemäß einige Partien entgegen. Sehr zufrieden ziehen wir uns noch vor Mittag beim Auto um und starten zu Teil 2 unserer Reise.
Einkauf in Dronero - hier findet man so einige Spezialitäten - und rauf auf die Autobahn zum ersten Caffè doppio, damit wir die 3 Stunden Fahrt besser durchhalten. Am mittleren Nachmittag ist das Zelt aufgebaut und eingerichtet und wir sitzen bei einem Gläschen Rotwein, Mortadellasemmeln und Eierspeis!
Viele Partien nützen das warme Wetter, doch es gibt so viele Möglichkeiten, dass wir einander hier in den Felsen um Albard nicht im Weg sind. Die Via Greg, schon wieder was Neues hier, freut uns mit bestem Fels und wunderschöner Aussicht aufs Tal und die umliegenden, noch recht weißen Berge.
Last not least steigen wir zur Poire de Machaby, wo über den Zustiegsweg recht frisch eine riesige Steinlawine, eher ein ausgewachsener Felssturz, abgegangen ist, die die Bäume wie Streichhölzer geknickt hat. Da möchte ich nicht zur falschen Zeit sein!
Die schon bekannte Via Pinna begeistert uns einmal mehr. Was für ein Fels, welch ein großartiges Steigen und Schleichen über die Platten!
Schön war's und heim geht's!

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Tine (Mittwoch, 08 April 2026 09:34)
Immer wieder bemerkenswert wie abwechslungsreich Ihr Eure sportlichen Fähigkeiten zum Einsatz bringt. Immer wieder schön zu schauen und zu lesen.